Spike Island – das irische Alcatraz

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Text von:
Reto Bachofner
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Aus der Kategorie: Sehenswürdigkeiten

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Spike Island - das Alcatraz Irland ist eine ehemalige Gefängnisinsel im Hafen von Cork. Im BIld Zellenblock A.

Spike Island ist eine 104 Hektaren grosse Insel, welche in der Bucht von Cork liegt. Als Besucher der Nummer Eins Touristenattraktion im Co. Cork nimmt dich das Eiland mit auf eine 1300jährige Reise in die Vergangenheit.

Was kannst du hier erleben?

  • Ein Kurztrip mit der Fähre zu einer historischen Insel im Hafen von Cork
  • Besuche das 24 Hektaren grosse Fort Mitchel. Gebaut um das britische Empire zu verteidigen.
  • Einblick in die Welt der Gefangenen der 1850er Jahre. Irlands „Alcatraz“ war damals das grösster Gefängnis der Welt
  • Entdecke das verlassene Dorf unterhalb des Forts
  • Fantastische Aussicht auf die Stadt Cobh und den Hafen von Cork
  • Erlebe einen wunderbaren Tag mit Familie, welche spannendes aus der Vergangenheit hören und entdecken kann

Bereits im 6. Jahrhundert wurde die Insel genutzt um ein Kloster zu erstellen. Von dessen Existenz weiss man aber nur durch mündliche und später schriftliche Überlieferungen.

Auf Überreste des Klosters ist man bisher nicht gestossen. Gut sichtbar und Hauptgrund Spike Island zu besuchen ist das 200 Jahre alte Fort Mitchel.

Es wurde nach dem irischen Freiheitskämpfer John Mitchel benannt. Dieser war im zu der Zeit als Gefängnis genutzten Komplex dort inhaftiert. Allerdings nur für wenige Tage und mit Vorzugsbehandlung.

Mitchel wurde wie viele Andere von hier nach Australien deportiert. Ursprünglich wurde das Fort aber Westmoreland genannt und diente den Briten als Kaserne.

Bis 2004 wurde das Gefängnis noch genutzt und fünf Jahre später wurde entschieden die Vergangenheit aufleben zu lassen und Spike Island zur Touristenattraktion zu machen.

Dieses Unterfangen gelang. 2017 erhielt Spike Island an den World Travel Awards die Auszeichnung „Europe‘s Leading Tourist Attraction“. Dabei wurden andere berühmte Attraktionen wie der Eiffel Turm ausgestochen.

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Geschichte

Der Guide hat viele spannende Geschichten auf Lager. Wir stehen vor einem langen dreigeschossigen Gebäude. Dessen Inneres seit Jahrzehnten ausgebrannt und verlassen sein dasein fristet.

Eine offensichtlich in die Jahre gekommene Plakette prangt an der Fassade. Daneben eine Neuere mit Foto. Der abgebildete, adrette junge Mann mit Schnautzbart ist Captain Patrick White, Meelick Company IRA, Co. Clare.

Er und sein Jugendfreund Thomas Ringrose wurden 1921 bei einer Razzia von britischen Soldaten in Gefangenschaft genommen und in die Baracken der Royal Irish Constabulary nach Limerick gebracht.

Zu derzeit wurden Gefangene der IRA von den Briten als lebende Schutzschilder der Convoys gebraucht. Bei einer Attacke waren die Soldaten angewiesen die Gefangenen zu erschiessen. Ringrose hatte das „Glück“ zu britischen Soldaten zugeteilt zu werden. Sein Kumpel White hingegen wurde Schutzschild bei den verhassten und gefürchteten Auxilliers.

Eine Killertruppe zusammengewürfelt aus ehemaligen Soldaten der alliierten Truppen aus dem ersten Weltkrieg. Freiwillige die im Namen der britischen Krone für gutes Geld Tod und Verderben nach Irland brachten. Ganz durchgeknallte Typen.

Ringrose wurde nach Spike Island gebracht. Eine Insel im Hafen von Cork. Seit Jahrzehnten von den Briten als Militärbasis und gefürchtetes Gefängnis benutzt. Irlands Alcatraz.

Wie überrascht war Ringrose den sichtlich gepeinigten White lebend hier anzutreffen. Zu der Zeit wurde Fort Mitchel von den Briten als Garnison und Gefängnis für Aufständische genutzt.

Sport insbesondere Hurling war bei den Insassen sehr beliebt. Ausgetragen wurden die Spiele auf einem umzäunten Spielfeld im Gefängnishof. Dieser Zaun sollte White am Vormittag des 1. Juni 1921 zum Verhängnis werden.

Der Sliotar (so wird der Ball genannt), blieb unglücklicherweise im Zaun stecken. Eine der Regeln der Briten war, dass die Gefangenen den Zaun nicht berühren durften. So fragte Patrick White den wachhabenden Private Whitehead, ob er den den feststeckenden Ball zurückgeben könne.

Whitehead verneinte. Er solle den Ball selber holen. White näherte sich dem Zaun, ergriff den Sliotar und wurde von Private Whitehead sogleich erschossen.

Heute erinnert eine Plakette am Zellblock A an die Ermordung von Patrick White.
Bildquelle: Guliolopez – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=21470065

Spike Island – Kloster, Militärbasis, Gefängnis und Touristenattraktion

Von der strategisch günstigen Lage im Hafen von Cork begünstigt war Spike Island schon im 7. Jahrhundert Ziel einer ersten Besiedlung. Obwohl bisher keine Überreste davon gefunden wurde, weiss man dank schriftlicher Überlieferungen, dass hier einst ein Kloster bestand.

Die Engländer kauften während der Cromwell Feldzüge in Irland die Insel schliesslich und es wurde mit Fort Westmoreland die erste Befestigung gebaut. In irische Hand kam die Garnison erst nach 1938.

1984 gelang einer Handvoll „Joyriders“ über eine Mauer die Flucht aus dem damals als Gefängnis genutzten Komplex. Die Freude der Freiheit über die gewonnene Freiheit wich aber bereits unten am Pier einer grossen Ernüchterung.

Der spontane und somit nicht geplante Ausbruch hatte nämlich zur Folge, dass kein Boot auf die ausgebüxten Gefangenen wartete… So kehrten diese ins Gefängnis zurück. Da dies nicht über dem gleichen Weg geschehen konnte, wurde kurzerhand ein Bagger entwendet und damit das Haupttor eingefahren!

Danach folgte ein 24 Stündiges spektakuläres Katz- und Mausspiel mit den Wärtern und der herbeigerufenen Polizei. Dieses endete erst nach einer Nacht ausharren auf einem der Dächer des Gefängnisses.

Dave, unser Guide auf Spike Island hatte noch viele solche weitere amüsante und spannende Geschichten auf Lager. Diese hier wieder zu geben ist aber nicht der Sinn des Artikel. Schliesslich sollst du das Alles ja direkt vor Ort hören und erleben.

Tipps zum Besuch von Spike Island

Nachfolgend einige Tipps zum Besuch dieser Attraktion im Hafen von Cork. Von welcher ich sicher bin, dass sie sich in den nächsten Jahren zur Top-Sehenswürdigkeit entwickeln wird.

Mitchel Hall auf Spike Island.
Bildquelle: Stackc – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=35709384

Tickets

Ich rate dir dringend Tickets im Voraus im Internet zu buchen. In unserem Fall hat es an diesem Tag nicht funktioniert infolge technischer Probleme. So habe ich versucht die Tickets auf telefonischem Weg zu bestellen.

Die Linien sollten ab 9.00 Uhr morgens besetzt sein. Von 09.00 bis 09:50 versuchte ich dies 3x ohne Erfolg. Immer war nur die Ansage zu hören… So nahmen wir die einstündige Fahrt nach Cobh auf gutglück unter die Räder.

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Das Glück schlug sich tatsächlich auf unsere Seite und wir ergatterten uns die vier letzten Plätze auf der 13.00 Uhr Fähre.

Fähre

Spike Island. Das tönt nicht nur nach Insel. Es ist auch eine. Folglich kommst du nur per Boot dort hin. Am einfachsten mit der Fähre mit welcher du auch gleich das Ticket kombinieren kannst.

Im Sommer geht es sechs mal täglich rüber auf die Gefängnis-Insel. Das System funktioniert dabei so, dass die Zeit deiner Rückfahrt mit der Abfahrtszeit gekoppelt ist. Will heissen du hast 3 1/2 Stunden Aufenthalt und wenn du die 12.00 Uhr Fähre nimmst geht es 15.30 zurück nach Cobh.

Das Ticket und Informationsbüro befindet sich am Hafen von Cobh. Unmittelbar in der Nähe des Museums von „Titanic Experience“.

So gestaltest du deinen Aufenthalt

Nach Ankunft auf der Insel wirst du von den Guides in Empfang genommen. Sie erklären dir den Ablauf deines Besuches und einige Verhaltensregeln. Auch wirst du hier vor eine wichtige Entscheidung gestellt.

  • Du kannst dem Guide auf einer gut 1 1/2 stündigen Tour folgen und bekommst so sehr viel Wissen vermittelt
  • Du entdeckst Spike Island auf eigene Faust

Dave unser Guide war hervorragend geschult und hat uns sein Wissen auf lebendige Art weitergegeben. Von diesem Standpunkt aus empfehle ich dir die Tour mit einem Guide zu machen. Aber…

Falls deine Englischkenntnise etwas eingerostet sind. Lass es bleiben. Es gibt wirklich viel zu hören und zu sehen. Wenn du da von der Sprache her nicht mitkommst, dann ist die Zeit mit dem Guide einfach nur verschwendet.

In diesem Falle empfehle ich dir Variante zwei. Mit der Karte, welche du beim Ticketkauf erhältst, machst du dich auf die Socken und siehst dir die Anlage an. Im kleinen Restaurant gibt es Audioguides. Schnapp dir so ein Teil und entdecke die faszinierende Geschichte von Spike Island ganz in deinem Tempo.

Mein persönliches Fazit

Spike Island, die Gefängnisinsel und Militärstation gibt die reichhaltige und faszinierende Geschichte des Ortes wieder. Ich bin überzeugt, dass sich der Effort und das Geld welche investiert wurde auszahlen wird und Spike Island dereinst zu DER Touristenattraktion in Cork entwickeln wird.

Titelbild von Sameichel – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=34686119

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